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Die Geburt des Flamenco

Ende des 15. Jahrhunderts erreichten die ersten Gitanos den Süden Spaniens. Zu dieser Zeit war Spanien schon von den Christen erobert und auch die Mauren waren weitgehend vertrieben. Die Gitanos, welche genauso wie die Juden und die in Spanien verbliebenen Mauren eine religiöse Minderheit darstellten, wurden gut integriert und als Musiker geschätzt. Sie zogen von Dorf zu Dorf und spielten auf den Volksfesten der Andalusier. Von ihren weiten Reisen hatten sie viele indische und arabische und andere Musik- und Tanzformen mitgebracht, die sich mit der damals in Andalusien bestehenden Musik, welche auch maurische und hebräische Elemente enthielt, verbanden. Nach dieser Phase der Toleranz und des Zusammenlebens setzte ein wirtschaftlicher und moralischer Niedergang ein; die Gitanos wurden verfolgt und waren, wenn sie sich weder taufen lassen noch ihre Sitten ablegen wollten, von Inquisition und Zwangsarbeit bedroht. Doch viele Gitanos wollten weiterhin ihre Traditionen pflegen. Ein Teil flüchtete in die unwegsamen Berggegenden Andalusiens. Diese Gitanos lebten als Wegelagerer von Diebstählen und Schmuggel. Ein anderer Teil lebte in ghettoartigen Siedlungen, den „Gitanerías“ in unvorstellbarer Armut. In diesen Slums, abgeschlossen von der spanischen Bevölkerung, entstand der verzweifelte Flamencogesang. In ihm lag die scheinbare Erleichterung und er wurde zum Lebensstil und zur Weltansicht der Gitanos. Der Flamenco drückt sowohl explosive Lebensfreude und Rebellion als auch Schmerz, Not und tiefe Verzweiflung aus. Man kann sagen, dass sich der Flamenco aus der Verbindung der Musikkultur der Gitanos mit der spanischen Folklore, auch jener aus den amerikanischen Kolonien Spaniens, entwickelte.